Für Mütter, die mit Leichtigkeit und Freude ihr Leben gestalten und genießen möchten

„Über das Loslassen: Flügge im Highschooljahr“ von Catrin

Schon in der Kindergartenzeit unserer Kinder musste ich überrascht einsehen, dass das Weinen und Quengeln beim morgendlichen Verabschieden nicht nur allein der Trennungsschmerz des Kindes ist, sondern insbesondere die fehlende trennsichere Klarheit der Mutter. Keine leichte Einsicht. Wie sollte das erst werden, wenn sich unsere Kleine aufmacht, ein halbes Jahr ihrer 10. Klasse in Kanada zu verbringen! Bis ich sie wieder in meine Arme schließen darf, sind es jetzt nur noch genau 5 Wochen! Juchhe! Yippie ya yeah!

Man soll den Tag ja nicht vor dem Abend loben und auf die Frage: „Sagen Sie, sind Sie eigentlich abergläubisch?“ antworte ich immer: „Toi, toi, toi (dabei klopfe ich mir auf den Kopf), bis jetzt noch nicht.“ Und bisher war der Aufenthalt ein toller und freudiger Erfolg auf beiden Seiten des Atlantik. Für alle, die sich vor der gleichen Herausforderung sehen, hier unsere Geschichte dazu mit dem, was aus meiner Sicht keine Garantie für das Gelingen gibt aber geholfen hat.

Mein harmonisches Wesen ist in puncto Klarheit leider ganz und gar nicht hilfreich, sondern eher rheinländisch wechselhaft und opportun, nach dem Motto: was geht mich mein dummes Geschwätz von gestern an – ist gestrige Klarheit leider auch in meiner Erziehung schnelllebig und heute in der Regel schon durch neue Ideen und Einsichten groß und zügig abgelöst. Da ich das weiß, lege ich mich für Besonderes und für strikte Regeln nicht so ins Zeug, um nicht Gefahr zu laufen, mich zu verheddern und alle Beteiligten komplett zu verwirren.

Bis auf ganz wenige Ausnahmen: Zu diesen Ausnahmen gehört die Möglichkeit unserer Kinder, während der Schulzeit ins Ausland zu gehen. Das war einer meiner Herzenswünsche. Ich wollte unbedingt, dass sie diese Möglichkeit auskosten können. Diese Überzeugung hilft ungemein und sollte entweder bei den Eltern oder bei den Kindern vorhanden sein.

Und da unsere Tochter meinen Auslandsplan begeistert aufnahm, wurden wir ein dreiviertel Jahr vor Abreise mit Hilfe der Carl Duisberg Centren aktiv. Die haben mich und uns Schritt für Schritt hervorragend an die Hand genommen.

Die Wochen vor der Abreise hatten einen ganz besonderen Charme: Ich erlaubte mir die Zeit, mit meiner Tochter Dinge zu unternehmen, die ich sonst immer wieder aufgeschoben hätte. Dies hat uns viele innig verbundene und kostbare Momente geschenkt, die den Abschied versüßten. Für den Abreisetag an sich haben wir bewusst für fröhliche Zerstreuung gesorgt. Sehr nervös war ich dann die ersten Tage und Nächte (9 Stunden Zeitunterschied), in denen mein Handy immer an war und wir mit WhatsApp Nachrichten verbunden waren. Als ich dann das erste Mal wieder ihre Stimme hörte, entspannte ich mich. Ich hatte mir bewusst viele Termine und Arbeit in diese Zeit gelegt. Célia ist großartig. Sie hat ihr neues Leben voll und ganz ergriffen und sie hat ihre Auslandszeit vom ersten Tag an geliebt. Das, muss ich hier sagen, hilft natürlich extrem. Ist das nicht der Fall, dann darf und sollte man auf beiden Seiten des Atlantiks oder wo auch immer man ist, Hilfe in Anspruch nehmen, damit es gelingt.


Als in den Herbstferien dann noch unser Sohn bei den Großeltern, der Hund in der Pension und mein Mann auf Geschäftsreise war, erlebte ich einen magischen Moment: Ich war gestresst. Ohne Mann, Kinder und Hund. Die konnten dieses Mal ja nicht „schuld“ sein. Wahnsinn. Das war eine Erkenntnis. Das war meins. Ich erkannte dieses Gefühl als meines wieder und ich wusste, ich tue das so. Ich stresse mich mit Dingen und Projekten, mit unseren Mitarbeitern, mit dem Geschäft. Alles, was mir über den Weg läuft, ist mir gerade recht dafür. Das war eine nackte Erkenntnis. Ich hatte gedacht, nur meine Tochter häuft in dieser Auslandszeit lebensbereichernde Erkenntnisse an und ich wurde eines Besseren belehrt. Ich arbeite nun daran, das, was mich an meinen Stress stört, loszulassen und stattdessen in passenderes Neuland einzutauchen.

Es heißt ja, wenn Du etwas über Dich und Deine Heimat erfahren willst, geh in die Ferne.
Ich weiß nun, es funktioniert für mich auch, wenn die Kinder in die Ferne gehen.

Liebe Célia, ich danke Dir und mir, dass ich nicht für Dich sondern mit Dir lebe. Mögest Du die Souvenirs Deiner Reise auch nach Deiner Rückkehr hüten, auskosten und für Dich bewahren. Ich liebe Dich, Deine Mami.

Beitrag von Catrin Beckmann

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